DAS HERZ JESU KLAGT – HL. MANUEL GONZÁLEZ
Verlassen!
In jenem Schmerz, der Summe aller Schmerzen, die man das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nennt, lesen wir im Evangelium viermal, dass der von Schmähungen gesättigte Mann klagte.
Das erste Mal über seine drei Vertrauten, die einschlafen: «Konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?».
Das zweite Mal über Judas, der ihn verkauft und verrät: «Freund, mit einem Kuss lieferst du den Menschensohn aus?».
Das dritte Mal über den Gerichtsdiener, der ihm ins Gesicht schlägt: «Wenn ich unrecht geredet habe, dann weise nach, was daran unrecht war; wenn aber recht, warum schlägst du mich?»
Und das vierte Mal über seinen Vater, der ihm seine spürbare Gegenwart entzieht: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?»
Diese vier so ruhigen und gefassten Klagen, die eher wie Wehklagen als wie Beschwerden erscheinen, wurden den Lippen und dem Herzen Jesu Christi weniger durch vier verschiedene Schmerzen entrissen als durch einen einzigen Schmerz, der sich in vier Formen zeigte.
Die Verlassenheit!
Das ist der große Schmerz des Herzens Christi, das ist der Schmerz, der über dem boden- und uferlosen Meer von Leiden schwebt, in dem sein Herz versinkt.
Die Verlassenheit durch menschliche Freundschaft in der schläfrigen Nachlässigkeit seiner Vertrauten und in der Treulosigkeit des Judas, die Verlassenheit durch die menschliche Gerechtigkeit in dem frechen Schlag ins Gesicht und die Verlassenheit durch den Trost Gottes in der Verlassenheit durch seinen Vater …
Immer ist es die Verlassenheit, die den bittersten Tropfen in den Kelch seiner Bitternisse gibt!
Marien, Marien!
Nehmt diese Lehre in euch auf, kostet sie aus und beantwortet eine Frage.
Von euch wird im Evangelium nicht berichtet, dass Jesus in seinem Leiden auch nur ein Lob ausgesprochen hätte, um euch zu ermutigen, oder eine Klage, um euch zu tadeln.
Das bedeutet: Jesus rechnete in der Stunde seiner Verlassenheit mit euren Schwestern aus dem Evangelium …
Wird er auch weiterhin mit euch rechnen in dieser endlosen Stunde der Verlassenheit in den Tabernakeln, die er noch immer durchlebt?
Denkt an die Verlassenheit, die er weiterhin in seinen Tabernakeln, in seinen Priestern, durch die von ihm Berufenen und durch jene erleidet, die ihn hassen und verachten …
Hört also jene liebevolle Einladung Christi im Tabernakel: „Wenn wenigstens du mich lieben würdest“, und leistet ihm in all euren Aufgaben und Arbeiten Gesellschaft.